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Delcredere Wirtschaftsausblick
Spaniens Kampf gegen Windmühlen
- Krise ist symptomatisch für Probleme der Euro-Zone
- Konsolidierung des Staatshaushalts verzögert sich weiter
- Zugang zu internationalen Kapitalmärkten gefährdet
Immobilienblase, Verstaatlichung der Großbank Bankia, steigendes Haushaltsdefizit - die Krise der spanischen Wirtschaft ist nach Einschätzung des Kreditversicherers Delcredere symptomatisch für die Probleme der Euro-Zone. "Die Krise ist vielschichtig. Es handelt sich gleichzeitig um eine Banken-, eine Staatsschulden- und eine Wachstumskrise", so Christoph Witte, Deutschland-Direktor von Delcredere.
Kritisch betrachtet wird insbesondere die Kreditvergabe von spanischen Banken. Während für Kredite an Bauträger weitreichende Rückstellungen angelegt worden sind, bestehen Zweifel, ob dies auch für Hypotheken an Privathaushalte gilt. "Diese Situation dürfte sich drastisch zuspitzen, wenn derzeit noch laufende Hypothekenkredite verlängert werden, somit als problematisch eingestuft werden müssen und dann weitaus mehr Kapital benötigt wird", sagt Christoph Witte. Die spanische Regierung hat die Banken daher bereits aufgefordert, ihre Rückstellungen zu erhöhen. Institute, die dazu nicht in der Lage seien, müssen dafür teure Staatshilfen in Kauf nehmen. Gelöst wird die spanische Krise dadurch nicht. Im Gegenteil: "Der kränkelnde Bankensektor wird die öffentlichen Finanzen Spaniens noch stärker belasten", so Witte.
Gleichzeitig hat die Regierung unter Ministerpräsident Rajoy ihre Sparmaßnahmen deutlich verschärft - und das in einem wirtschaftlichen Umfeld, in dem die Rezession bereits Züge einer Depression annimmt. "Die Konsolidierung des Staatshaushalts scheint in dieser Lage jedoch ein Kampf gegen Windmühlen", so Christoph Witte. So hat die spanische Regierung jüngst das Haushaltsdefizit für das vergangene Jahr erneut nach oben korrigiert - von 8,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf nunmehr 8,9 Prozent. Hinzu kommt: Spanien ist um ein Drittel größer als Griechenland, Portugal und Irland zusammen - damit enthält die Krise ein systemisches Element. Mögliche Folge: Verschärft sich die Situation, besteht die Gefahr, dass Spaniens Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten versperrt wird. Dann wird die Europäische Zentralbank (EZB) eingreifen müssen und der dauerhafte Rettungsschirm ESM könnte im Sommer zum ersten Mal aktiviert werden.
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